Gesetzliche Gleichbehandlung für alle

In diesem modernen Land Schweiz – wo jedermann stolz ist auf die Bürger­rechte – haben immer noch nicht alle mündigen Personen die gleichen Rechte und Pflichten! Das ist absolut stossend und muss sich ganz schnell ändern!

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28.11.2014 – Alter: 3 Jahre

Botschaft zur Revision des Adoptionsrechts

Der Bundesrat hat heute die Botschaft zur Revision des Adoptionsrechts unterbreitet, mit der Kinder, die in Regenbogenfamilien aufwachsen, geschützt werden können. Mit der künftigen Gesetzesänderung wird die bestehende Ungleichbehandlung weitgehend beseitigt.


Kinder in Regenbogenfamilien leben nämlich in den meisten Fällen mit zwei Elternteilen zusammen, doch rechtlich wird nur einer von beiden anerkannt. Bisher wird diesen Kindern allein wegen der sexuellen Orientierung ihrer Eltern faktisch der zweite rechtliche Elternteil verwehrt. Der Bundesrat will diesen Missstand nun endlich beseitigen.

Rechtliche Absicherung für Kinder in Regenbogenfamilien

Konkret soll die Gesetzesänderung bewirken, dass eine Person das leibliche Kind ihres Partners bzw. ihrer Partnerin adoptieren kann, sofern der zweite leibliche Elternteil des Kindes unbekannt, verstorben oder mit der Übertragung seiner Rechte und Pflichten einverstanden ist, und sofern die Adoption die beste Lösung für das Wohlergehen des Kindes darstellt. Mit der Adoption entsteht eine vollwertige rechtliche Elternschaft.

Mit der neuen gesetzlichen Bestimmung wird zum Beispiel sichergestellt, dass Kinder, die in Regenbogenfamilien aufwachsen, im Falle des Todes ihres leiblichen Elternteils bei ihrem zweiten Elternteil verbleiben können. Im Falle des Todes ihres zweiten rechtlichen Elternteils haben sie zudem einen Erbanspruch sowie einen Anspruch auf Waisenrente. Des Weiteren wird gewährleistet, dass sie ihren zweiten rechtlichen Elternteil im Trennungsfall weiterhin sehen können und einen gesetzlichen Anspruch auf Unterhalt haben. Mit dem künftigen Gesetz sind diese Kinder also rechtlich gleich abgesichert wie alle anderen Kinder.

Regenbogenfamilien sind eine gesellschaftliche Realität

Die Verwirklichung des Kinderwunsches ist ein elementares Bedürfnis unabhängig von der sexuellen Orientierung eines Menschen. Durch die Akzeptanz von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und gesellschaftspolitischen Entwicklungen im In- und Ausland wachsen immer mehr Kinder bei gleichgeschlechtlich liebenden Eltern auf. Maria von Känel, Geschäftsführerin des Dachverbands Regenbogenfamilien, fordert Anerkennung und Absicherung für Regenbogenfamilien in der Schweiz. «Unsere Familien sind Teil der Schweizer Gesellschaft und bedürfen derselben Anerkennung und Absicherung wie alle anderen Familien auch. Letztendlich wird unsere Gesellschaft dank der Familienvielfalt bereichert und bestärkt.»

Es besteht noch weiterer Handlungsbedarf

Die Revision des Adoptionsrechtes stellt einen Schritt in die richtige Richtung dar. Es werden aber viele Ungleichbehandlungen nicht behoben, sondern ungerechtfertigte und überholte Diskriminierungen fortgesetzt (so etwa das Verbot der gemeinschaftlichen Adoption und das Verbot zum Zugang zu fortpflanzungsmedizinischen Verfahren). Es ist daher grundsätzlich zu hinterfragen, ob ein Spezialgesetz für gleichgeschlechtliche Partnerschaften (PartG) noch sachlich gerechtfertigt ist. Angemessener und einfacher erscheint es, die Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen, denn nur damit können alle rechtlichen Benachteiligungen beseitigt werden.